Operational Transfer pricing. 
Einführung in neues Terrain. Von Dr.-Ing. Frank Schöneborn.
 
 

Praxisprobleme und Risiken bei der Implementierung 

Probleme in Verrechnungspreisprüfungen ergaben sich in der Vergangenheit eher aus Mängeln in Bezug auf die zu erfüllenden Dokumentationsvorschriften. So lagen geforderte Transferpreisdokumentationen nicht oder nicht vollständig zu allen Transaktionen vor oder waren konzernweit nicht kongruent, Benchmarkstudien, Funktions- und Risikobeschreibungen wurden als ungeeignet bzw. unzutreffend eingestuft, vertragliche Grundlagen fehlten oder wurden nicht eingehalten. Bislang waren überwiegend formale Aspekte die Schwachstellen.

Aber auch auf ganz anderer Ebene können erhebliche Transferpreisrisiken auftreten und in finanziellen Nachteilen für Konzerne resultieren. Diese sind meist nicht aus steuerlichem Blickwinkel heraus erkennbar, schließlich liegen sie tief in den organisationalen Systemen und Prozessen verborgen. So wird die operative Implementierung hinterfragt und bemängelt, in Daten und Prozessen lassen sich häufig Schwachstellen entdecken.

Einfache Fragen der Betriebsprüfer wie „Wie (oft) überwachen Sie die Margen?“ oder „Aus welchen Systemen beziehen Sie auf welchem Weg die Daten?“ oder „Wie stellen Sie sicher, dass die Lieferungen konzernintern mit fremdvergleichsüblichen Preisen erfolgen? Wer kalkuliert die Preise?“ lösen häufig große Unsicherheit aus. Wenn ein Konzern nicht überzeugende Nachweise erbringen kann, dass stabile Prozesse und klare Verantwortlichkeiten etabliert wurden, kann das fremdvergleichskonforme Verhalten angezweifelt werden. Dies öffnet schnell die Tür für steuerliche Gewinnanpassungen und neben Steuernachzahlungen auch zu Zinsen und Strafzuschlägen.

Quelle: Schöneborn, F.  (2013): Operational transfer pricing. In: DER BETRIEB, 2013. Nr. 51/52, S. 2872-2873.